Aktion Herzenssache unterstützt therapeutisches Reiten im Kinder- und Jugenddorf Maria Regina
Wenn die Hausaufgaben gemacht sind, beginnt für die Kinder im Kinder- und Jugenddorf Maria Regina in Silz – wie für alle Kinder – die Freizeit. Für die Gestaltung gibt es hier ein vielfältiges Angebot. Heilpädagogisches Reiten, von den Kindern einfach „Pony-Club“ genannt, ist eines davon.
Geleitet wird es von Verena Bohrer, die in Maria Regina angestellt ist. Doch es ist für die Einrichtung schwierig, ihre Tätigkeit als Reitlehrerin zu finanzieren. In den Pflegesätzen, die das Heim für die rund 80 Kinder und Jugendlichen erhält, wird ein solches Angebot nicht berücksichtigt. Deshalb wird es ausschließlich über Spenden finanziert. Da hilft die Aktion „Herzenssache“ weiter: Rund 14.000 Euro, die für die Reittherapie, die Pflege und den Unterhalt der Pferde benötigt werden, sind nun für ein Jahr wieder gedeckt.
Herzenssache e.V. ist die Kinderhilfsaktion von SWR und SR. Der Verein setzt sich für benachteiligte Kinder in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland ein. Jeder gespendete Euro kommt ohne Abzug Kindern und Jugendlichen zugute. Im Jahr 2010 feierte der Verein Herzenssache, der unter der Schirmherrschaft von Lothar Späth steht, sein zehnjähriges Bestehen und blickt zurück auf 475 Kinderhilfsprojekte und ein Spendenvolumen von mehr als 16 Millionen Euro. Das Geld wird von Hörern, Zuschauern und Internet-Usern von SWR und SR gespendet.
Das Geld ist in der Reittherapie gut angelegt, betont Einrichtungsleiter Michael Eberhart: Die reitsportliche Ausbildung steht dabei nicht im Mittelpunkt, vielmehr erlernen die Kinder durch die Arbeit am und mit dem Pferd zahlreiche soziale Kompetenzen: Sie bauen Beziehungen auf, zu den Pferden und den anderen Kindern im Pony-Club, sie entwickeln Vertrauen und Sicherheit, ihre Frustrationstoleranz wird erhöht, das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl gestärkt.
Die Pflege der Pferde verlangt von ihnen Zuverlässigkeit, und sie lernen nebenbei viel über die Tiere. Durch das Reiten schulen sie ihre eigene Wahrnehmungsfähigkeit; Koordination, Geschicklichkeit, Kraft und Ausdauer werden gestärkt, ihre Konzentrationsfähigkeit und das Reaktionsvermögen gesteigert. Vor allem Kinder mit ADHS profitieren von dem Umgang mit Tieren, berichtet Eberhart: Sie werden dadurch deutlich ruhiger, denn die Pferde nehmen ihre überschüssige Energie auf und leiten sie ab.
Diese Vorteile sind den Kindern, die am liebsten täglich bei den Pferden wären, eher egal. Für sie zählt, dass die Tiere „alle gleich lieb“ sind, dass sie sich ihnen nähern und sie umarmen dürfen, dass sie sie striegeln und schön machen können und so ihre Zuneigung zeigen dürfen. Stolz sind sie, wenn sie berichten, dass sie „natürlich“ auch ohne Sattel reiten, und sie freuen sich auf die Samstage, wenn genügend Zeit ist zum Ausreiten. Dass sie dafür auch etwas tun müssen, akzeptieren sie klaglos. Die Pflege der Pferde ist ihnen fast genauso lieb, wie auf ihrem Rücken zu sitzen.
Foto: St. Dominikus Stiftung Speyer





